Fruehling erwacht
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Montag, der 20.10.2008 war kein guter Tag!
Ich war im BK der Erzieherschule, und sah, dass eine Mitschülerin aus meiner Klasse, Yaima, Narben auf ihrem Arm hatte. Sie bildeten das Wort "WHY". Als ich sie darauf ansprach meinte sie, sie hätte damit aufgehört, seit dem ihr Freund mit schlussmachen gedroht hätte. Und das es ihre Art war, mit allem umzugehen.
Ich sagte, dass
das Schneiden  ein falscher Freund sei. Ich fühlte mich den ganzen Vormittag über ziemlich betäubt.
Sie hatte in der Klasse mal erzählt, dass ihre Mutter Alkoholikerin war, und sie für ihre Geschwister die Mutterrolle übernommen hat.
Ich fragte sie, ob sie darum mal in Therapie gemacht sei, was sie verneinte.
Mich zog das unheimlich runter. Ich fühlte mich schlecht und hatte Schuldgefühle. Ich dachte, sie hätte im Gegensatz zu mir tatsächlich ein Recht darauf, dass es ihr schlecht ging und sie so etwas getan hatte. Mir wurde immer vorgeworfen, ich hätte keinen Grund dazu, mich selbst zu verletzen. Ich teilte diese Meinung, und verurteilte mich dafür, dass ich mich ohne Grund schlimmer verletzte als sie.

Ich ging lächelnd durch die Strassen. Und dachte, was für eine Ironie das in dieser Situation sei.
Immer hatte ich mir früher eine solche Fassade gewünscht, doch nun fühlte ich mich von ihr erdrückt...

Gehe in 2 Apotheken und kaufe mir 40 Tabletten.
Fahre lange mit der Straßenbahn, unsicher, wo ich es machen will.
Schließlich finde ich mich auf einer Wiese wieder. Unter einem Baum spüle ich insgesamt 43 Tabletten runter.
Dort bleibe ich nicht - irre rastlos in der Stadt herum, habe Angst vor Leuten und bin aggressiv gegen mich selbst. Habe Selbsthassgedanken wie "Wehe, wenn Du die jetzt wieder auskotzt"
Die Wirkung tritt ein und ich habs dann auch nicht mehr geblickt, bin immer weiter gefahren und hab festgestellt, dass die Welt komisch ist, und ich schlecht laufen kann.
In der Stadtmitte lege ich mich auf einne Bank, stehe nach dem Gedanken "Stell dir mal vor, hier kommt jemand, der dich kennt, wär doch irgendwie scheiße!" wieder auf.
Ich weiss nicht, ob es davor oder danach war, aber ich hab mich in der Nähe des Wohnheims zu einem Obdachlosen gesetzt, der mir einen Schluck irgendwas aus seiner Flasche gab. Es war Alkohol drin - was mir davor auch klar, aber egal war - und ekelhaft, darum blieb es bei dem Schluck.
Aus meiner Parallelklasse kam ein Mädchen vorbei und ich drehte mich weg - hinterher erfuhr ich, dass sie mich dennoch erkannt hatte. Sie und andere hatten dann überlegt, ob mir der Typ irgendetwas gegeben hatte...

Irgendwann bin ich wieder am Wohnheim angekommen, gegen halb 11 müsste das gewesen sein. Ich konnte meinen Schlüssel nicht finden und
klingelte daher. Als ich jedoch vor meiner Zimmertür stand, habe ich ihn anscheinend doch in der Hand gehabt!?
War wohl doch schon ziemlich hinüber!
Tina kam noch zu mir als ich vor dem Spiegel stand, und fragte, ob alles okay sei.
Ich sagte "Ja", und sie meinte, wenn etwas wäre, sollte ich kommen.
Das war so die letzte richtige Erinnerung.
Ich hab noch Fetzen im Kopf, dass ich im Zimmer gelaufen bin, aber nicht laufen konnte, und darum gegen die Wände geknallt bin.
Dann hab ich über meine eigene Blödheit gelacht.
Meiner Mutter wurde später von einer Zimmernachbarin erzählt, sie hätte mich lachen hören.
Jedenfalls wurde ich um 5 Uhr morgens im Wohnheim von Alisa gefunden.
Sie hatte wohl erstmal Angst vor mir, weil ich total durchgedreht aussah, und sie Angst hatte, ich würd auf sie losgehen. Aber dann hat sie doch gemerkt, dass mit mir etwas nicht stimmte.
Letztendlich weiss ich gar nicht, wie viele Mädels dann tatsächlich um mich herumstanden, aber eine aus einem Stockwerk tiefer hat mir irgendwann mal erzählt, dass ich vollkommen daneben drauf war.
"Du solltest dann Deinen Namen schreiben, aber hast den Stift in der linken Hand gehalten und nur Kreise aufs Papier gemalt" und anscheinend hab ich immer auf irgendein Bild an der Wand gezeigt.
Anscheinend saß ich da, war - laut Alisa - eiskalt und ohne Hose, und ein anderes Mädel hat mir dann meine Decke gebracht.
Dabei hat sie meine Narben gesehen.
Der Hausmeister hat dann den Rettungswagen geholt.

Im Krankenbett bin ich dann wieder klar geworden. Neben mir einige Geräte und meine Mutter. Mir fiel auf, dass meine Haut orange war.
Ich war traurig. Der "Filmriss" war schön gewesen.
Nicht denken zu müssen.

Meine Mum "Weisst du, wo du bist?"
Ich "Im Krankenhaus?"
Sie "Und wo?"
Ich sah eine gepunktete Bettdecke "Nachbarort meiner Heimatstadt?"
"Nein"
"F*?"
Sie "Ja. Weisst du warum?"
Ich wusste es.
An den Dienstag und Mittwoch kann ich mich nicht wirklich erinnern, ich weiss, dass ich sehr langsam gesprochen habe, und andauernd "Jetzt hab ich den Faden verloren..." gesagt habe.
Ich war nie allein, es war immer jemand bei mir. Eine Schülerin las mir ein Märchen nach dem anderen vor. Erinnern kann ich mich an keines, aber die Geste zählte. Es waren alle sehr lieb zu mir.
Ich konnte nicht gehen, und hatte immer Infusionen im Arm. Und man hat mir andauernd den Blutdruck gemessen.
Am Mittwoch durfte ich ganz langsam
mit Stütze aufstehen, um zur Toilette zu gehen. Dienstag auf Mittwoch erwachte ich mit rasenden Kopfschmerzen.
Ich "Ich hab solche Kopfschmerzen, ich sterbe bestimmt gleich"
Die Schwester "Wieviel von 0-10?"
Ich "9,5"
Ich meine, mich erinnern zu können, dass sie gesagt haben, in meinem Alter, 17,
würde man das noch auf natürliche Weise behandeln - ohne Tabletten.   Ich bekam ein Coltpack. Ich sah ans Fenster und lachte "Das da oben sieht aus wie ne Maus"
"Wo ist ne Maus???"
"Da oben, über dem geöffneten Fenster..."
Sie sah nicht mal hin.
"Alles ist gut, da ist keine Maus"
Ich hatte keine Angst vor der Maus, ich glaubte der Schwester. Bin dann wieder eingeschlafen.
Am Donnerstag durfte ich richtig aufstehen. Ich trug ein seltsames Krankenhaushemd und eine viel zu kleine Schlafanzughose.
Ich "Unterhose...?"
"Du wurdest ohne Hose eingeliefert"
Ich innerlich "Äh... *schluck* bitte was???" Ich schämte mich wahnsinnig!

Im Spielzimmer war eine Erzieherin, Yvonne.
Ich "Wie heißt die noch?"
"sowieso"
Ich "Oh mein Gott, die kenn ich"

Es dauerte etwas, bis ich verstanden hatte, dass es sich um unterschiedliche Frauen handelte, die nur den selben Vornamen hatten.
"Meine" Yvonne hatte früher auf uns aufgepasst und ich habe sie geliebt!
Ich hatte dann ein Gespräch bei einer Psychologin. Ich saß da und schwieg, hatte keine Ahnung, was ich sagen sollte.
Ich zeigte ihr schließlich meinen Blog, damit sie irgendwie was lesen kann, bei "All about" Das Gespräch ging dann auch besser.
Naja, sie wollte mich einweisen. Ich wollte in den Nachbarort meiner Heimatstadt, weil ich dort ja bereits 3 Mal war.
Am Mittag wurde ich zum 4. Mal in die KJP Lörrach eingewiesen. Ich kam mal wieder auf die Kinderstation. Ich lief über den Hof, sah mich in den gespiegelten Fenstern und dachte "Ein fettes Mädchen, dass zu blöd ist, um sich umzubringen!"
Ich kam direkt in das Isolierzimmer.
Ich war total erschöpft und schlief ein. Am Abend kam der Oberarzt zu mir und setzte sich neben mich.
Ich hatte bisher eigentlich immer Angst vor ihm, da er zu einer Mitpatientin mal gesagt hat, sie soll sich doch mal richtig umbringen etc. Also ein Arschloch.
Zu mir war er recht nett. Er fragte, was ich gemacht habe, von wegen Tabletten und so. Ich sagte, es waren 43 und den Namen.
Er "Und biste stolz drauf!?" so im Ton sarkastisch.
Ich schüttelte stumm den Kopf.
Da war er dann auch netter.
Am nächsten Morgen hatte ich Gespräch mit meiner Therapeutin.
Sie "Also erstmal wollen wir wissen, wie Du da dran gekommen bist, die sind nämlich verschreibungspflichtig, haben wir gegoogelt"
Ich "Nee, die sind nicht verschreibungspflichtig, die konnte ich einfach so kaufen"
Sie haben mir dann auch geglaubt und mich gefragt, was ich seit Januar so gemacht hab (da haben sie mich das letzte Mal gesehen)
Ja... Am Freitag morgen war ich total euphorisch, und dachte "Ich such mir einen Therapeuten in F* und versuche, gesund zu werden"
Das sagte ich dann auch.
Ich bekam einen besseren Ausgang (Von 6, wo ich im Isolierzimmer eingeschlossen war) und auch ein richtiges Zimmer.
Nach dem Gespräch kippte meine Stimmung wieder.
Auszug von meiner Thera "Der ist dann in F* auch in Deiner Nähe, und Du kannst auch mal über Nacht zur Krisenintervention gehen" (Damit gemeint ist Psychiatrie)
Ich dachte "Ich will dieses Leben nicht! Zwischen Psychiatrie, Ausbildung, evtl. später Familie, es ist MEIN Leben, und ich möchte dieses Leben nicht!"
Das dachte ich bis zum letzten abend, wo ich mit meinem Papa telefonierte.
Er sagte, er fände es jammerschade, für ihn würde eine Welt zusammenbrechen!!
Nicht wegen ihm, sondern wegen mir, weil ich so ein wertvoller Mensch bin.
Und mit meiner Ausbildung, dass das doch so toll sei etc.
Er hat mir Mut und auch irgendwie Lebensfreude vermittelt

Mit mir war ein Mädchen - Saralie, 13 Jahre alt.
Sie hätte Angst vor Männern und wurde NUR mit Medis zugedröhnt, was ich schrecklich fand!
Sie hat eigentlich fast die ganze Zeit nur geschlafen. Geredet hat sie auch mit kaum jemandem, aber mit mir
Sie hat mir erzählt, ihr Vater hätte sie körperlich misshandelt... Einmal sollte sie beim Tischdecken helfen, aber lag auf dem Sofa und schlief. Die Betreuerin hat sie dann angemeckert und ich sofort "Die schläft doch!!" Ich hatte Muttergefühle - das Bedürfniss, sie zu schützen.
Die Betreuerin meinte dann, ich müsse als Erzieherin noch viel lernen.

Diese Muttergefühle begleiten mich bis heute. Schwächere Menschen, Kinder... 
Im 2. Blockpraktikum hat mir dieses Verhalten schon am 2. Tag das Genick gebrochen!

Eine Woche später wurde ich dann entlassen und begann wieder damit, extrem viel zu Essen.
In der Schule bekam ich 2 super liebe Karten - eine von meiner Klasse und eine von meiner Lehrerin.

2.4.11 12:20
 
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