Fruehling erwacht
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Irgendwann bekam ich eine Klingelmatratze, die auf Feuchtigkeit reagierte. Nässte ich nachts ein, fing sie an, laut zu piepsen. Dies war das Beste überhaupt und bald war es komplett weg.
Kritiker von diesen Klingelmatten sagen, es würde den Kindern Angst machen, aber für mich war es echt phänomenal!
Meine Eltern hatten wegen dem Problem unglaublich viel ausprobiert:
Mit nachts aufwecken, um aufs Klo zu gehen.
Mit einem Kalender, in den entweder eine Sonne und Regen eingeklebt werden konnten.
Doch es war und blieb Glückssache.
An den Sonnentagen bekam ich von meinen Eltern sogar Sachen geschenkt, woraus ich schließe, dass es wohl definitiv nichts mit zu wenig Aufmerksamkeit zu tun hatte. Überhaupt kann ich sagen, dass Sara und ich die absolut perfekte Kindheit hatten!
Kindgerecht, unbeschwert, freie Entfaltung etc.
Wenn ich später mal Kinder habe, möchte ich ihnen die selbe schöne Kindheit ermöglichen, die ich hatte.

Mit dem kratzen wurde es phasenweise besonders schlimm. Regelmäßig kratzte ich mir dann Knie- und Armbeugen auf, die meine Eltern verbinden mussten. Bis es wieder so stark juckte, dass ich es runterriss um weiter kratzen zu können. Meine Eltern passten so gut sie konnten auf mich auf, doch einmal war es so schlimm, dass ich mich hinter unserem Kasperle Theater versteckte und dort kratzte. Dies war das einzige Mal, dass ich aus diesem Grund von meiner Mutter geschlagen wurde, weil sie so ratlos war.

In der Schule wurde ich "auffällig". Böse gemeint war es nie, nur handelte ich grundsätzlich unüberlegt und impulsiv.
An einem Morgen schrieben wir ein Diktat und die Lehrerin bat ein Kind, den Namen eines Mitschülers an die Tafel zu schreiben, da es laut war.
Ich fand es dann lustig zu sagen "Und den Namen Ursula" - dies war der Vorname der Lehrerin.
Diese "Und Stella".
Mir kamen die Tränen. Ich wollte nicht negativ auffallen!
Die Lehrerin der ersten und zweiten Klasse fand mich sehr aufgeweckt, und das "auffällige" eher positiv - das ich mir halt nicht alles sagen liesse.
Sie meinte bei einem Elterngespräch "das man mir nie böse sein könne" - ich mochte sie sehr.
Auch heute telefoniere ich noch mit ihr. (2010)
In der ersten Klasse sagte sie mal zu mir "Stella, willst du an die Tafel kommen?"
Und ich "Nein", weil ich nicht wollte. Ich verstand nicht, dass dies keine Frage, sondern eine Aufforderung war.
Ich nahm alles ziemlich wörtlich.
Ich hab dann auch rumdiskutiert alla "Sie haben gefragt, ob ich will, und ich will nicht"

Verträumt und sehr phantasievoll war ich immer. Alles was ich hörte oder las, wollte ich ausprobieren.
In der 2. Klasse, als Sara und ich bzw Sarah-Christin und Christane-Laura in der Schule sehr schlecht waren, machte ich am nächsten Tag absichtlich alles falsch.
Dann hatte es mir "Das doppelte Lottchen" angetan, und ich überredete Magdalena, das nachzuspielen. Wir wollten Zwillinge sein, darum gaben wir uns Mühe, grundsätzlich alles gleichzeitig zu sagen.
Wir haben geflüstert, was wir sagen und dann laut.
Auch tauschten wir in der 3. Klasse die Klamotten, was sich als schwierig erwies, da Magdalena deutlich weniger wog als ich.
In der Klasse setzte ich mich auf ihren Platz und sie sich auf meinen.
Dann erzählten wir jedem, dass wir Zwillinge seien. Das ging eine zeitlang gut, bis und eine Mitschülerin von uns, Ramona, Magdalenas Mutter fragte, ob das stimmte.
Auf ihre verneinung, rannten wir in Magdalenas Zimmer und heulten.
Einer Briefträgerin erzählte ich die selbe Geschichte, dass Magdalena und ich als Babys getrennt worden seien. Und sie meinte so "Glaubst du, ich kenn "Das doppelte Lottchen" nicht?"
Mir war das extrem peinlich, und ich dachte so "Oh mein Gott, bei der bin ich jetzt untendurch!" doch sie war mir nicht böse.
Auch die Hanni und Nanni Bücher hatten es mir angetan. Ich laß von Katrin und begann damit, Sara zu bestehlen, genau wie Katrin.
Ich versteckte es. Das ging eine zeitlang so, sie hat gespart und ich habs versteckt. Und als Sara dann angefing zu weinen, gab ich es ihr wieder. Ich hatte das nur in einem Beutel versteckt, in ihrem Schreibtisch.

Sara war nach der 4. Klasse auf das Gymnasium gekommen und ich war extrem enttäuscht, als ich nur auf die Realschule kam.
Ich war verträumt, unkonzentriert und machte meine Hausaufgaben immernoch unregelmäßig.
In der 5. Klasse bekamen wir "Hausaufgaben Zettel" die nach 3 maligem Fehlen von den Eltern unterschrieben werden mussten.
In der 6. Klasse - ich hatte mit Freude das Reien angefangen - war es schließlich wieder so weit - ich brachte einen Zettel mit und meine Eltern kündigten mir ein Reitverbot an, sollte ich es noch einmal vergessen.
Ich als vergessliches und unstrukturiertes Kind schaffte es nicht und so kam es schließlich wie es kommen musste.
Ich erzählte meiner Lehrerin, ich dürfe nicht mehr reiten gehen, wenn ich nochmal einen Zettel bekäme. Sie machte eine Ausnahme.
Doch nach ein paar Wochen kam dann doch wieder ein Zettel und ich bat Sara, die Unterschrift zu fälschen.
Das kam natürlich raus und ich durfte das ganze Jahr nicht mehr reiten.
Das war total schlimm für mich, da ich das reiten geliebt hatte!

In der 7. Klasse kamen dann meine Minderwertigkeitskomplexe voll zum Zug.
Ich wurde rasend gegen mich, weil ich nichts hinbekommen habe. Ich hab es nicht hinbekommen, die Hausaufgaben von der Tafel abzuschreiben, und falls ich es mal abgeschrieben hatte, habe ich es bis am Mittag entweder vergessen oder ich wollte nicht.
Ich fühlte mich unfähig, im Unterricht aufmerksam zu sein, obwohl ich es unbedingt wollte.
Und blitzschnell war ich abgelenkt, und es war wieder eine Stunde vorbei, wo ich nicht wusste, was erzählt wurde.
Früher wurde da noch darüber hinweggesehen, doch nun wurde erwartet, dass ich aufpasste und konzentriert mitarbeitete.

Meine Mum ist der Meinung das ich das Abnormale schon immer faszinierend fand, aber ich glaube nicht, dass das stimmt.
Ich glaube eher, dass ich nie wusste wie ich sein soll, und darum jeden nachgemacht habe.
So irgendwie, Identitätssuche!?
Ich habe wirklich jeden nachgemacht, als Kind natürlich bevorzugt Magdalena, was aber nie besonders gut geklappt hat.
Ich bin da auch sehr oft abgelehnt worden von ihr, was für mich dann der Weltuntergang war!
Sie hatte eine Freundin, die auch Stella hieß und in der Schule mussten wir ein Bild malen, mit wem wir zusammen einen Regenschirm teilen würden. Ich hab mich mit Magdalena gemalt und sie mit Stella. Ich hab mich riesig gefreut, bis sie sagte "Nicht DU! Die andere"
Weltuntergang!
Das kam öfter vor...
Hinzu kam noch, dass ihre Mutter sowieso nicht viel von meiner Sis und mir gehalten hat und ihr auch teilweise den Kontakt verboten hat.

Irgendwann las Sara das Buch "Essen, Nein danke" und erzählte mir davon. Daraufhin wollte auch ich magersüchtig sein, eiferte der Rebecca des Buches nach. Sagte mir grundsätzlich jeder, ich müsse mit dem Gewicht aufpassen, gefiel mir die Vorstellung, dünn zu sein bzw zum Essen aufgefordert werden zu müssen.
Ich begann damit, Abführmittel zu missbrauchen. Die Schmerzen waren enorm, doch der Effekt auf der Waage machte das wieder wett.
Je älter ich wurde, desto mehr aß ich.
Mit 13 bekamen wir Taschengeld, und meine Eltern versuchten mich zu motivieren, dass ich mehr Geld bekam, wenn ich abnahm.
Zu dieser Zeit war ich auch schon übergewichtig.
Ich fing an zu "spielen" - als etwas anderes als ein Spiel sah ich es nicht. Das Spiel war, Essen vorzutäuschen es tatsächlich aber wegzuwerfen.
Und ich hatte noch ein Spiel - das selbst verletzen. Ziel war auch da, das verheimlichen.
Etwas besonderes zu tun/zu haben, was keiner weiss und sonst keiner tat. Nach dem lesen von Christiane F. hätte ich sofort irgendwelche Drogen genommen, hätte sie mir jemand angeboten.

Mit meiner Freundin, Hanna, bin ich öfter in den Wald gegangen, der bei ihr war. Dort grillten wir in Alufolie Salami.
Klar wussten wir, dass das eigentlich verboten und gefährlich war, aber wir dachten, wenn wir aufpassen, würde schon nichts passieren.
Wir saßen dann einmal danach bei ihr zuhause und auf ihrem Tisch lag ein Teppichmesser. Ich musste mich wahnsinnig zusammenreissen, dass ich da nicht irgendwie mit "rumgespielt" hab.
Mit 12 begann ich damit, mich regelmäßig selbst zu verletzen.
Und in allen möglichen Situationen, teilweise auch in der Vorstellung, andere zu strafen. Ich hab es nie auffällig gemacht, war mit frischen Wunden nie im T-Shirt unterwegs, außer im DLRG.
Dort drehte ich die Arme immer so, dass es keiner gesehen hat.
Nur einmal wurde ich gefragt, als wir am duschen waren und ich gar nicht daran dachte.
Ich meinte dann, ich hätte eine Heuallergie und wäre im Gras gelegen. Die haben mir das dann geglaubt.

In der Klasse bildeten sich Gruppen. 3 Mädchen (später nur noch bekannt unter „Die drei Schlampen&ldquo haben mich dann reglmäßig fertig gemacht.
Einmal stand ich vorne an der Tafel neben einem Jungen, und zu der Zeit war es grad voll der Renner, einander neben dem Gesicht in die Hände zu klatschen, dass hab ich dann auch gemacht. Der ist richtig wütend geworden und hat mir gegen die Rippen getreten. Wieder und wieder.
Ich stand da und war geschockt/erstarrt. Bis dann ein Lehrer reinkam und ihn anschrie, da hab ich angefangen zu heulen.
Hanna wollte mich mitziehen, auf den Platz, aber der Lehrer hat uns dann mit ins Sekreteriat genommen und ich hab ziemlich hysterisch geschluchzt, schon richtung hyperventilieren.
Hinterher hat sich dann rausgestellt, dass meine Rippe geprellt war.
Der Junge bestand darauf, dass ich ihn geschlagen hätte, aber ich weiss, dass das nicht stimmt, dass hätte ich doch gespürt!
Ich hatte es nur im Spaß gemeint... Naja...
Hab mich dann auch wieder verletzt, irgendwo um diese Spannung loszuwerden, die Wut auf ihn aber auch auf mich, dass ICH mal wieder diejenige bin, der sowas passiert...

Die Kombination aus Spannung und Angst ist dann mal eskaliert:
Meiner Mutter war ein Topf auf die Herdplatte gefallen, und diese ging kaputt.
Es wurde eine neue gekauft und mein Vater brauchte einen Tag, bis er sie eingebaut hatte.
Es wurde uns dann gesagt, dass die neu sei und teuer und dass wir ganz vorschtig sein müssten!
Eine Woche später ist mir das selbe passiert!
Ich geriet komplett in Panik.
Ich stand hilflos und erstarrt da und weinte.
Mein Papa der grade duschte fragte mich, was denn sei.
Ich antwortete etwas wie "Schau doch unten..."
Ich wollte die Reaktion meiner Eltern nicht sehen, oder Dinge hören, wie dumm ich sei.
In meinem Zimmer setzte ich mich auf das Bett und holte die Rasierklinge aus dem Nachttisch.
Wieder und wieder fuhr ich mit der Klinge über den Nacken, in der Annahme, dies sei die Halsschlagader.
Ich wartete, doch nichts geschah. Ich hatte die Vorstellung, dass es dunkel wird und ich einschliefe.

Ich bekam keinen Ärger oder Vorwürfe wegen der Herdplatte. Heute erschreckt mich diese Form der Impulsivität - des Realitätsverlustes.
Ich war schließlich erst 13 Jahre alt gewesen und als Spätzünderin ein Kind.
6.4.11 14:43
 
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